Sizilianisches Lexikon - Von Macalube bis Monreale

Sizilianisches Lexikon, für die Reise und den Wissensdurst

Macalube. Gebiet von zentimeter(!)-hohen Vulkanen, sieben Kilometer nördlich von Agrigento: Hier dringt Methangas an die Erdoberfläche und entzündet sich in kleinen Schlammlöchern. Nachts sind kleine Feuerzungen zu sehen.

Mafia. Die Mafia ist keine Gefahr für den Touristen - allenfalls durch die von ihr kontrollierte Kleinkriminalität wie Handtaschenraub oder Autoaufbruch (besonders in Palermo und Catania). Ansonsten ist man längst im Geschäft des Tourismus engagiert und daher an dessen ungestörtem Verlauf interessiert. Ursprünglich war die Mafia ein System der Erpressung und des «Schutzes» heute ist sie eine Organisation, die in Menschen- und Rauschgifthandel tätig ist. Durch das System der Schutzgelder reicht der Einfluss der Mafia in höchste Kreise und wird infolgedessen schwer angreifbar. Ihren «Boom» erlebte die Mafia al «Cosa nostra» in den zwanziger Jahren in Amerika, als vor allem eingewanderte Sizilianer in altbewährter sizilianischer Manier Geschäfte mit der Prohibition machten. Der wohl bekannteste Mafioso jener Zeit war Al Capone, der allerdings Neapolitaner war - aber auch die anderen Regionen Süditaliens haben vergleichbare Organisationen. Lucky Luciano erlangte wegen seiner Heroingeschäfte traurigen Ruhm, den er über seiner Abschiebung aus den USA in Italien bis zu seinem Tod fortsetzte. Auf einer anderen Tradition fußte das Brigantentum; Banditen, die meist als Strassenräuber «tätig» waren, heute aber verschwunden sind.
Die Mafia ist und bleibt ein Thema, auch wenn sie zur Zeit weniger in die Schlagzeilen gerät. Kaum jemand denkt noch an den 23. Mai 1992, als der Ermittlungsrichter Giovanni Falcone in Palermo Opfer eines Bombenattentats wurde. Mit ihm starben seine Frau Francesca und drei Leibwächter. Falcone war einer von vielen der im Kampf gegen das organisierte Verbrechen sein Leben verlor. Wenig später wurde sein Kollege Paolo Borsellino ebenfalls Opfer eines Anschlags.

Marsala. Als Lilybaion (Stadt mi Blick auf Libyen) im 5. Jahrhunder v.chr. von den Phöniziern gegründet galt die Stadt als uneinnehmbar und kapitulierte als letzte im Ersten Punischen Krieg vor den Römern. Der heutige Name ist arabisch; bekannt wurde er durch den britischen Weinhändler John Woodhouse, der bier ein Konkurrenzprodukt zum Portwein und Sherry ausbaute, das er preisgünstiger in England anbieten konnte, einen sechzehnprozentigcn Dessertwein. Heute stellen mehrere traditionsreiche Weinkellereien Marsala her. Am 11. Mai 1860 landete Garibaldi in Marsala und begann seinen «Zug der Tausend» zur Einigung Italiens. Das Archäologische Museum zeigt die ehemaligen Weinlager (Baglio Anselmi ein phönizisches Schiff, dessen Fund 1969 eine Sensation war.

Mattanza. Höhepunkt des Tbunfischfangs von Mai bis Juli (meist Ende Mai) vor Favignana: Die Fische, die zum Laichen das 17 Grad warme Wasser zwischen den Inseln suchen, schwimmen in komplizierte Netze, die sie in die Todeskammer leiten. Dort werden sie von Booten aus erlegt: ein blutiges Schlachtfest, optisch grausam, aber angeblich weniger qualvoll als das Verenden im Schleppnetz. Die Mattanza ist wohl arabischen Ursprungs. Da die Fänge immer kleiner werden, kann jede Mattanza die letzte sein.

Mazara del Vallo. Geschäftiger moderner Fischereihafen mit einer stimmungsvollen Altstadt, die an arabische und normannische Zeiten erinnert, als der Ort schon ein wichtiges Seefahrts- und Handelszentrum war.

Meersalzgewinnung bei Trapani, „Das Wasser des Meeres, die Energie des Windes und die Wärme der Sonne, das sind die Elemente mit deren Hilfe der Mensch das wertvolle Salz gewinnt.“
Am Rande von Trapani, an der Straße nach Marsala, befinden sich am Ufer des Meeres flache, rechteckige Teiche. Die wenige Meter breiten, flachen Dämme zwischen den Teichen werden beidseitig zum Wasser hin durch Natursteinmauern begrenzt. Von der Straße aus fallen die vielen Windmühlen auf, die zwischen den Wasserflächen stehen. Sie haben sechs Flügel. In einem Teich stehen rosa Flamingos und suchen nach Nahrung, indem sie ihren Schnabel im Wasser hin und her schwenken und Kleinkrebse herausfiltern.
In der Mühle „Maria Stella“ ist ein Museum eingerichtet, in dem anhand von Photos, Modellen und alten Geräten die Meersalzgewinnung dargestellt ist. Die Windmühle auf dem Dach des Museums besitzt ebenfalls sechs Flügel. Sie diente dem Mahlen, genauer Zerkleinern der Salzklumpen. Der Wind an der Küste Siziliens ist schwächer, als der an der holländischen Küste. So nahm man zwar die Holländermühlen zum Vorbild, fügte aber noch zwei weitere Flügel an. Die Windmühlen zwischen den Teichen dienten dem Antreiben der Pumpen. Im Museum kann man eine große Spirale die in einem Rohr liegt betrachten, die „Spirale des Archimedes“. Durch Drehen der Spirale kann man Wasser von einem Teich in den anderen pumpen. Später ersetzte man die sechsrädrigen Pumpwindmühlen durch amerikanische Windräder, schließlich durch Motoren. Auch wird das Salz heute nicht mehr in der Mühle zerkleinert, sondern zur Weiterverarbeitung in eine Fabrik transportiert.
Das Prinzip der Meersalzgewinnung jedoch blieb gleich. In die direkt am Meer gelegenen Becken lässt man Meerwasser. In dem trockenen und heißen Klima verdunstet allmählich das Wasser aus den Becken und die Salzkonzentration (NaCl), die im Meer noch bei ca 3 % liegt, steigt. Schließlich pumpt man das Wasser in landeinwärts anschließende, flachere Becken. Durch weitere Verdunstung steigt die Salzkonzentration weiter. Das Wasser wird in noch flachere Becken gepumpt usw.. Irgendwann färbt sich das Wasser rot. Die Salzkonzentration ist so hoch, dass nur noch wenige Organismen in dem Wasser leben können. Das sind vor allem Halobakterien, die von dem roten Krebs Arctemis salina gefressen werden. Dieser bildet eine wichtige Nahrungsgrundlage für den Flamingo. Schließlich beginnt das Salz auszufällen. Jetzt wird es durch Arbeiter im Becken auf Haufen geschichtet. Die Schippen haben Löcher für das Wasser. Am Beckenboden bildet sich eine harte Salzschicht, die beim Schippen nicht zerstört werden darf, damit das Salz nicht durch den darunter befindlichen Boden verunreinigt wird. Das Salz wird dann auf den Dämmen zwischen den Becken aufgeschichtet und mit Tonziegeln abgedeckt. Durch die Ziegel kann die Feuchtigkeit des trocknenden Salzes nach außen diffundieren, während gleichzeitig das Salz vor Regen geschützt ist.
Meersalz enthält im Gegensatz zu Mineralsalz natürlicherweise Jod und ist daher gesünder. Es ist aber teurer als Mineralsalz und wird deshalb weniger gekauft. Viele Meersalzgewinnungsanlagen sind auf Sizilien schon aufgegeben worden. Die an der Museumsmühle Maria Stella produziert noch. Das Jahr 1997 war hier aufgrund des trockenen Sommers und der gestiegenen Nachfrage in Europa nach Meersalz erfolgreicher als all die 20 Jahre davor. Das Naturreservat will den Tourismus ausbauen und hierzu ausgeschilderte Wege und Rundgänge für interessierte Touristen errichten. Es plant eine steigende Salzproduktion durch die Wiederinbetriebnahme einer seit 50 Jahren brach liegenden Saline.
Die Anlage dient neben der Meersalzgewinnung besonders dem Erhalt dieser traditionellen Wirtschaftsform und der dadurch entstandenen Kulturlandschaft mit den Mühlen und Becken.

Messina. Provinzhauptstadt im äußersten Nordwesten, das Tor Siziliens (Fähren von Kalabrien). Nördlich außerhalb der Stadt liegen die Ganzirn-Seen (Muschelzucht) und das Kap Peloro - die «schlürfende Cbarybdis» der Antike. Heute noch gilt der drei Kilometer breite «Stretto di Messina» wegen seiner Strudel und Strömungen als tückisch. Messina ist seit der Antike ein wichtger Hafen, wurde jedoch viele Male durch Erdbeben zerstört (so fand Goethe 1787, vier Jahre nach dem letzten Beben, nur eine «zackige Ruinenwüste») und wiederaufgebaut (zuletzt 1906). Daher stammt der Normannendom nur im unteren Teil der Fassade aus dem 12. Jahrhundert. Der Campanile birgt eine mechanische Kunstuhr aus dem Jahr 1933. Der Hafen mit der sichelförmigen Halbinsel stand Messinas antikem Namen Pate (Zankle = Sichel); auf ihrer Spitze steht die Votivsäule Madonnina, der Schutzpatronin der Stadt.

Milazzo liegt auf einer sieben Kilometer langen Halbinsel, die sich wie ein Finger den Aolischen Inseln entgegenreckt, und ist Industrie- und Erdölhafen sowie «Landdungsbruecke» für die Schiffe und Tragflügelboote zu diesem Archipel. Auf der Akropolis nördlich der neuen Stadt liegt ein normannisches Kastell.

Misterbianco liegt 14 km westlich von Catania. Hier wohnen 46.140 Einwohner (Stand am 30. April 2005), die in der Hauptsache in der Landwirtschaft, der Viehzucht und in der Industrie arbeiten.
Der Ort hat mit dem Autobahnanschluss Catania Ovest Anschluss an die Autobahn A18/E45.
Die Nachbargemeinden sind Camporotondo Etneo, Catania, Motta Sant'Anastasia, Paternò und San Pietro Clarenza.
Der Ursprung des Ortes ist unbekannt. Der Ort wurde bei einen Ätnaausbruch 1669 verschüttet. Weitere Zerstörungen sind im Jahre 1693 entstanden. Im 18. Jahrhundert wurde der Ort wieder aufgebaut.
Karte von Misterbianco

Modica ist eine der Gebirgsstädte im Süden Siziliens, die 1693 durch Erdbeben stark beschädigt oder zerstört und danach barock erneuert wurden. Dabei entstand eine der schönsten Barockkirchen Siziliens: San Giorgio, an der Spitze einer hundertfünfzigstufigen Freitreppe deren elegant gekurvte Fassade von einem wuchtigen Mittelturm herrscht wird.

Monreale. Grandiose Basilika bei Palermo; von Normannenkönig Wilhelm II. 1172 als Zeichen des Glanzes seiner Herrschaft und des Sieges über die Moslems im königlichen Jagdrevier gestiftet. Die Ostapsiden und der Kreuzgang zeigen sehr schön dic Mischformen aus arabischer und nordisch-gotischer Architektur mit roemisch-byzantinischen Elementen wie den Cosmatensäulen mit Mosaikdekor. Der Dom ist die größte Kirche Siziliens und Grablege einiger Normannenkönige, die Ausstattung entsprechend prächtig: Marmorfußboden, Intarsien, bemalte Holzdecke, schöne Bronzeportale an Nord- und Westseite und die weltberühmten Mosaiken, die auf über 6000 Quadratmetern Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen. Stilistisch sind sie die Vollendung der «steifen» byzantinischen Mosaikarbeit zu einer malerischen Kunst auf feierlichem Goldgrund.